Post-Editing (MTPE) oder Humanübersetzung? Eine Entscheidungshilfe für technische Dokumentation

Von Antonio Imperato, Fachübersetzer Maschinenbau & KI-Qualitätsberater, Duisburg · Stand: November 2026

Kurz gesagt: Für veröffentlichte technische Dokumentation ist Full Post-Editing nach ISO 18587 oft die wirtschaftliche Mitte zwischen reiner Maschine und reiner Humanübersetzung. Bei Sicherheits- und Konformitätstexten bleibt die Humanübersetzung die sicherste Wahl. Welche Variante passt, entscheiden Risiko, Textsorte und Datenlage.

Drei Wege im Überblick

Light oder Full Post-Editing?

ISO 18587 unterscheidet zwei Stufen. Beim Light Post-Editing korrigieren Sie, was für Verständnis und Sachrichtigkeit nötig ist; der Text muss nicht wie von Hand übersetzt klingen. Beim Full Post-Editing ist das Ziel ein Ergebnis auf dem Niveau einer Humanübersetzung. Für veröffentlichte technische Dokumentation ist deshalb in der Regel Full Post-Editing das Maß. Die Norm wird derzeit überarbeitet, wobei die Kundenanforderungen und die Risikobewertung stärker in den Mittelpunkt rücken.

Entscheidungshilfe nach Textsorte

TextsorteEmpfehlungWarum
Sicherheits- und Warnhinweise, KonformitätstexteHumanübersetzung oder Full Post-Editing mit zusätzlicher PrüfungFehler haben hohe Folgen
Betriebsanleitungen mit gepflegtem Translation MemoryFull Post-EditingViele Wiederholungen, feste Terminologie
Wartungs- und Servicehandbücher, ErsatzteillistenFull Post-EditingStrukturierte Texte, gut für MT geeignet
Software-OberflächeHumanübersetzung oder Post-Editing mit Kontext (Screenshots)Einzelne Strings sind ohne Kontext mehrdeutig
Interne Mitteilungen, RechercheReine MT oder Light Post-EditingEs geht um Verständnis, nicht um Veröffentlichung
Marketing- und MessetexteHumanübersetzungTon und Wirkung zählen

Fünf Kriterien, die die Entscheidung bestimmen

  1. Risiko: Was passiert, wenn der Text einen Fehler enthält?
  2. Textsorte und Struktur: Kurze, klare Sätze eignen sich besser als verschachtelte.
  3. Vorhandene Daten: Ein sauberes Translation Memory und ein Glossar verbessern das Ergebnis.
  4. Volumen und Wiederholung: Je mehr Wiederholungen, desto größer der Hebel.
  5. Sprachpaar und Zielgruppe: Die Qualität der Engines unterscheidet sich je nach Sprache und Fachgebiet.

Eine Einsparung lässt sich nicht pauschal versprechen

Wie viel Zeit und Kosten MTPE spart, hängt von Text, Engine und Datenlage ab. Wer zu wenig nachbearbeitet, riskiert Fehler; wer zu viel nachbearbeitet, verliert den Vorteil. Deshalb beginne ich mit einer Stichprobe und messe, bevor ich einen Workflow empfehle. Mehr zum Vorgehen finden Sie im Beitrag KI-Übersetzung im Maschinenbau.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Light und Full Post-Editing?

Beim Light Post-Editing werden inhaltliche Fehler korrigiert, damit der Text verständlich und sachlich richtig ist; stilistische Perfektion ist nicht das Ziel. Beim Full Post-Editing soll das Ergebnis eine Qualität erreichen, die mit einer Humanübersetzung vergleichbar ist. So unterscheidet es die Norm ISO 18587.

Wann ist reine Humanübersetzung die bessere Wahl?

Bei kurzen, kritischen oder kreativen Texten, bei neuen Produkten ohne Terminologiebasis und überall dort, wo ein Fehler hohe Folgen hätte, etwa bei Sicherheits- und Konformitätstexten.

Wie finde ich heraus, was für meine Texte passt?

Mit einem kleinen Pilotprojekt: zwei bis drei repräsentative Seiten, einmal als Humanübersetzung und einmal als MTPE, anschließend ein Vergleich von Fehlern, Aufwand und Durchlaufzeit.

Sie möchten das für Ihre Dokumentation klären?

Im kostenlosen Erstgespräch prüfe ich unverbindlich, wo KI-Übersetzung bei Ihnen sinnvoll ist und wo ein Fachexperte freigeben sollte.

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Quellen

Die Empfehlungen in der Tabelle sind Richtwerte aus meiner Praxis, keine normativen Vorgaben.

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