Post-Editing (MTPE) oder Humanübersetzung? Eine Entscheidungshilfe für technische Dokumentation
Drei Wege im Überblick
- Humanübersetzung: Ein Fachübersetzer übersetzt den Text, ein zweiter Experte kann ihn prüfen. Höchste Kontrolle, höchster Aufwand.
- Maschinelle Übersetzung mit Post-Editing (MTPE): Eine Engine liefert den Entwurf, ein Fachübersetzer überarbeitet ihn. Die Norm ISO 18587 beschreibt Anforderungen an diesen Prozess und an die Kompetenzen der Post-Editoren.
- Reine maschinelle Übersetzung: Nur sinnvoll, wenn es um ein schnelles Verständnis geht und nichts veröffentlicht oder daraus gehandelt wird.
Light oder Full Post-Editing?
ISO 18587 unterscheidet zwei Stufen. Beim Light Post-Editing korrigieren Sie, was für Verständnis und Sachrichtigkeit nötig ist; der Text muss nicht wie von Hand übersetzt klingen. Beim Full Post-Editing ist das Ziel ein Ergebnis auf dem Niveau einer Humanübersetzung. Für veröffentlichte technische Dokumentation ist deshalb in der Regel Full Post-Editing das Maß. Die Norm wird derzeit überarbeitet, wobei die Kundenanforderungen und die Risikobewertung stärker in den Mittelpunkt rücken.
Entscheidungshilfe nach Textsorte
| Textsorte | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Sicherheits- und Warnhinweise, Konformitätstexte | Humanübersetzung oder Full Post-Editing mit zusätzlicher Prüfung | Fehler haben hohe Folgen |
| Betriebsanleitungen mit gepflegtem Translation Memory | Full Post-Editing | Viele Wiederholungen, feste Terminologie |
| Wartungs- und Servicehandbücher, Ersatzteillisten | Full Post-Editing | Strukturierte Texte, gut für MT geeignet |
| Software-Oberfläche | Humanübersetzung oder Post-Editing mit Kontext (Screenshots) | Einzelne Strings sind ohne Kontext mehrdeutig |
| Interne Mitteilungen, Recherche | Reine MT oder Light Post-Editing | Es geht um Verständnis, nicht um Veröffentlichung |
| Marketing- und Messetexte | Humanübersetzung | Ton und Wirkung zählen |
Fünf Kriterien, die die Entscheidung bestimmen
- Risiko: Was passiert, wenn der Text einen Fehler enthält?
- Textsorte und Struktur: Kurze, klare Sätze eignen sich besser als verschachtelte.
- Vorhandene Daten: Ein sauberes Translation Memory und ein Glossar verbessern das Ergebnis.
- Volumen und Wiederholung: Je mehr Wiederholungen, desto größer der Hebel.
- Sprachpaar und Zielgruppe: Die Qualität der Engines unterscheidet sich je nach Sprache und Fachgebiet.
Eine Einsparung lässt sich nicht pauschal versprechen
Wie viel Zeit und Kosten MTPE spart, hängt von Text, Engine und Datenlage ab. Wer zu wenig nachbearbeitet, riskiert Fehler; wer zu viel nachbearbeitet, verliert den Vorteil. Deshalb beginne ich mit einer Stichprobe und messe, bevor ich einen Workflow empfehle. Mehr zum Vorgehen finden Sie im Beitrag KI-Übersetzung im Maschinenbau.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Light und Full Post-Editing?
Beim Light Post-Editing werden inhaltliche Fehler korrigiert, damit der Text verständlich und sachlich richtig ist; stilistische Perfektion ist nicht das Ziel. Beim Full Post-Editing soll das Ergebnis eine Qualität erreichen, die mit einer Humanübersetzung vergleichbar ist. So unterscheidet es die Norm ISO 18587.
Wann ist reine Humanübersetzung die bessere Wahl?
Bei kurzen, kritischen oder kreativen Texten, bei neuen Produkten ohne Terminologiebasis und überall dort, wo ein Fehler hohe Folgen hätte, etwa bei Sicherheits- und Konformitätstexten.
Wie finde ich heraus, was für meine Texte passt?
Mit einem kleinen Pilotprojekt: zwei bis drei repräsentative Seiten, einmal als Humanübersetzung und einmal als MTPE, anschließend ein Vergleich von Fehlern, Aufwand und Durchlaufzeit.
Sie möchten das für Ihre Dokumentation klären?
Im kostenlosen Erstgespräch prüfe ich unverbindlich, wo KI-Übersetzung bei Ihnen sinnvoll ist und wo ein Fachexperte freigeben sollte.
Kostenloses ErstgesprächQuellen
- DOG GmbH: Post-Editing maschineller Übersetzungen nach ISO 18587
- Ciklopea: Post-Editing of Machine Translation Output (ISO 18587:2017)
- ATC: ISO 18587 – Post-Editing of Machine Translation Output
Die Empfehlungen in der Tabelle sind Richtwerte aus meiner Praxis, keine normativen Vorgaben.